Aus den Sagas der Krenat:

An der Stelle des Tronengebirges erstreckte sich einst eine sehr fruchtbare Ebene, in der Krenat und Vanera friedlich miteinander lebten. Doch einige Vanera begannen die Krenat um ihren Anteil an Land zu beneiden. Sie wollten alles für sich haben, obwohl genug Platz für beide Völker war. Da baten sie Turag um Beistand. Die finstere Göttin schuf aus den Körpern der toten Menschen und dem unterirdischen Feuer einen bösen Riesen, den sie den Tronen nannte. Er entstieg der Unterwelt an einer Stelle, die heute noch Hügel der Magier genannt wird nach den Vanera, die dort Turag beschworen hatten. Der böse Riese verwüstete das fruchtbare Land, und die Krenat flohen in den Osten, die Vanera in den Westen. Sorghum, der das Elend nicht länger mitansehen konnte, riß ein Stück Land aus der Erdkruste, wodurch das Strudelmeer entstand. Er schleuderte das Land nach dem Tronen, der darunter begraben wurde. Immer noch versucht der böse Riese sich zu befreien, um sein Zerstörungswerk fortzusetzen. Dann bebt und grollt das nach ihm benannte Gebirge. An dem Tag, an dem er sich befreit, wird der Krieg der Kriege ausbrechen. Seit dieser Zeit fürchten die Krenat die Vanera.

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Skadi zügelte ihr Pferd dicht vor der Gestalt, während die Soldaten eng aufschlossen. Es war eine Waldelfe, deren Haar von herbstlichem Gelb war. Sie trug eine kurze, hellgrüne Tunika, die von einem Jadegürtel in der Mitte gerafft wurde. Das herzförmige Gesicht beherrschten zwei große, grüne Augen mit kleinen goldenen Flecken in der Iris.

Reitet nicht weiter, Skadi!

Wer bist du? Warum versperrst du mir den Weg?

Ich bin Rianna, der Geist des Dunkelwalds, und ich kenne deine Pläne. Wenn du sie verwirklichst, werden viele Menschen sterben. Das möchte ich verhindern.

Skadi zeigte keine Reaktion.

Kehre um, Skadi! Beschreite den richtigen Pfad, solange noch Zeit dazu ist. Mit deiner Macht kannst du den Menschen helfen und sie retten, wenn der Krieg beginnt.

Was habe ich davon, den Menschen zu helfen? Sie bedeuten mir nichts. Was hast du von deinem Beistand? Du bist der Wald, den sie verwunden, wenn sie Bäumen fällen und Feuer entfachen.

Sie lieben mich für alle diese Dinge, die ich ihnen gern gebe. Dich dagegen fürchten und hassen sie. Ich liebe die Menschen, weil ich durch sie nicht einsam bin. Du verachtest, aber brauchst sie, um zu leben. Erinnere dich, Skadi, wie es früher war. Wie du früher warst! Und was ist aus dir geworden...?

Rianna schwieg einen Moment, um ihre Worte auf die Hohepriesterin wirken zu lassen.

Turag verlieh dir Macht über Menschen, Tiere, Pflanzen und Zwieweltgeschöpfe. Sie schenkte dir ewiges Leben. Doch ist der Preis dafür nicht zu hoch? So viele Menschen müssen dafür sterben! Und was ist aus deinem Gesicht geworden? Weißt du selbst noch, wie es ausgesehen hat? Du bist kein richtiger Mensch mehr, aber auch noch kein Dämon!

Gehe mir aus dem Weg, Rianna, oder ich vernichte deinen Lebensbaum.

Traurig sah die Waldelfe Skadi an.

Du wirst viel Unheil anrichten, sagte sie leise und war so plötzlich verschwunden, wie sie erschienen war.

Als sie am Abend ihr Lager errichteten, schrieb Lardo während seiner Wache den Bericht für Shyakul nieder. Die rätselhaften Worte Riannas hatten Skadis dunkles Geheimnis nicht erhellen können.

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