Aus den Lieder der Meerstämme:
Eines Tages, als Sorghum und Cynera noch zusammen regierten, verliebte sich Emariel, die Göttin der Liebe, in Donneradler, einen Menschen, der zum Stamm des Arms gehörte. Natürlich sind Verbindungen zwischen Göttern und einfachen Menschen nicht gestattet, aber es ist das Los von Emariel, daß sie der Kraft der Liebe unmöglich widerstehen kann. Einmal hatte sie Tsoruzak, den Gott der Kunst, mit ihre Macht dazu verleitet, ihr ein wirklich göttliches Paradies auf der Erde zu erschaffen. Dorthin hatte sie Donneradler geführt und mit ihm viele Jahre gelebt. In dieser Zeit gebar sie fünf Kinder, die Halbgötter.
Als Sorghum davon erfuhr, konnte er sich nicht überwinden, diese Halbgötter zu töten. Da er aber auch nicht zulassen wollte, daß die Halbgötter sich unter die Menschen mischten und die göttliche Saat noch mehr verstreuten, blieb ihm nur noch eine Möglichkeit: er formte eine breite tote Zone um Pardos, die kein Mensch und kein Halbgott überqueren konnte. Das Land Pardos wurde damit von der restlichen Welt abgeschnitten, bis zur Zeit des Krieges der Kriege. Dann wird ein mutiger Kämpfer sein Volk durch die tote Zone führen und in Pardos die Mittel finden, die Schlacht zu entscheiden.
Am achte Tag nach der Flucht aus Brae hatten sich die Flüchtlinge an das Marschieren durch die Wildnis gewohnt. Jeden Tag stießen mehr Krenat zu ihnen. Meist waren es die wenigen Menschen, die sich bisher noch nicht hatten entschließen können, ihr Heim aufzugeben, weil sie hofften, die Kristallkrieger würden einen anderen Weg wählen und ihr Dorf verschonen.
Fleet marschierte wie immer neben Kyrdo. Sie war gerade dabei, Schlagübungen auszuführen, die vor allem dazu dienten, die Schultermuskeln zu kräftigen, als der Zug stockte. Die Menschen wurden unruhig, und Kyrdo drängte sich weiter nach vorne.
Fleet folgte ihm neugierig, und schon bald konnten sie erkennen, was der Grund für den Aufenthalt war. Blenji, ein Mann aus Ingaden, stritt sich mit Jansur über den weiteren Weg.
Man konnte weiter nach Westen ziehen, ins Land der Vanera. Blenji hoffte, daß dieses Volk sie aufnehmen würde - wenn nicht, dann würden die Krenat zu kämpfen wissen.
Eine andere Möglichkeit war, nach Süden zu ziehen. Dort würde man die Tote Zone finden, von der es hieß, daß noch nie ein Mensch daraus zurückgekehrt war. Um sie ranken sich die Sagas von der wunderbaren Stadt Pardos, die dort versteckt liegen soll. Jansur glaubte, daß jetzt die Zeit gekommen war, um nach Pardos aufzubrechen, und von dort aus den Kampf gegen die Kristallkrieger zu führen.
Als Kyrdo erfaßt hatte, worum es sich bei dem Streit zwischen Jansur und Blenji handelte, griff er sofort ein.
Ihr seid wohl beide verrückt geworden!
rief er, und zupfte seinen braunen Vollbart, den graue Strähnen durchzogen. Sowohl die Vanera im Westen als die Tote Zone im Süden bedeuten für uns den sicheren Tod. Ihr glaubt doch nicht etwa, daß die Vanera uns aufnehmen werden? Wir sind viel zu zahlreich, um von ihnen in ihrem Reich geduldet zu werden. Wirklich, für uns gibt es nur einen Weg: Nach Norden, tiefer in die Berge hinein, wohin die Kristallkrieger uns nicht folgen können. Daran kann es doch keine Zweifel geben!
Aber weder Jansur noch Blenji stimmten dem alten Kyrdo zu. In den Bergen gibt es nicht genug Nahrung für alle
argumentierte Jansur. Wahrscheinlich würden wir in kürzester Zeit verhungern! Außerdem sind uns die Schmiede, nach dem was wir ihnen alles angetan haben, gewiß nicht gut gesonnen.
Sie haben aber auch niemals von sich aus angegriffen. Wenn wir sie in Ruhe lassen, tun sie uns bestimmt nichts.
Aufgeregt zupfte Kyrdo an seinem Bart. Es war eine alte Gewohnheit von ihm.
Die Diskussion wurde immer heftiger, und immer mehr Menschen mischten sich ein. Langsam wurde deutlich, daß die Flüchtlinge sich in drei Lager spalteten. Als der Streit fast in ein Handgemenge ausartete, sprang Fleet mitten zwischen die Männer und stieß sie auseinander. Sie waren so überrascht, daß sie einen Augenblick innenhielten.
Hört mir zu!
schrie Fleet, diesen kurzen Überraschungsmoment nutzend, weshalb sollten wir uns streiten? Die Lösung ist doch ganz einfach.
Unser Problem ist lediglich, daß wir so viele sind - zu viele für das bißchen Nahrung, das in den Bergen zu finden ist, so viele, daß wir von den Vanera als Bedrohung angesehen werden, und zu viele, um schnell durch die Wüste zu ziehen.
Aber wenn wir uns in drei kleinere Gruppen spalten, von dessen jede ihren eigenen Weg geht, hat jede eine wirkliche Chance. Ich würde deshalb vorschlagen, daß Blenji alle, die mit ihm kommen wollen, ins Land der Vanera führt. Kyrdo soll eine Gruppe leiten, die in die Berge zieht. Und diejenigen unter uns, die glauben, Pardos erreichen zu können, folgen Jansur.
Wenn diesen Vorschlag nicht eine Frau gemacht hätte, wäre sofort zugestimmt worden. So aber wurden nur einige verärgerte Stimmen laut, die verlangten, Fleet solle den Mund halten. Kaum verstummt, wurde Fleet von Jansur beiseite geschoben, weil er den Streit fortsetzen wollte. Plötzlich trat dann ein großer Mann aus den Reihen der Umstehenden hervor und hob beide Hände, um sich Ruhe auszubitten.
Sie hat recht
, sagte er. Nur wenn wir uns teilen, haben wir eine Chance. Jeder, der das Risiko auf sich nehmen will, zu den Vanera zu gehen, soll zu mir kommen.
Es war kurz still, während die Männer den Vorschlag Fleets überdachten. Als immer mehr zustimmendes Gemurmel laut wurde, schluckte Jansur seinen Ärger herunter und fügte hinzu, und alle, die nach Pardos wollen, zu mir.
Die Flüchtlinge spalteten sich jetzt in drei kleinere Gruppen, wobei die abenteuerlustigen jungen Leute sich um Jansur versammelten, zu Blenji viele der kräftigen Männer und Frauen kamen, die Angst vor der Wüste und der Tote Zone hatten, während bei Kyrdo meist ältere Menschen zurückblieben.
Jetzt erkannte Fleet erst, in was für eine Lage sie sich manövriert hatte - und mit sich viele der Flüchtlinge, die zwischen zwei Möglichkeiten schwankten. Das Abenteuer lockte sie, und am liebsten wäre sie Jansur gefolgt, aber sie wußte auch, daß sie Kyrdos Unterweisung im Schwertkampf benötigte, um die Waffe führen zu können.
Sie mußte sich schnell entscheiden, denn die Gruppen formierten sich schon und nahmen Abschied voneinander. Dann sagte sich Fleet, daß sie das Erbe ihres Vaters in den Bergen wohl kaum nützlich einsetzen könnte, was, zusammen mit ihrem Vertrauen in Jansur den Ausschlag gab: Sie wollte auf die Suche nach Pardos gehen.
Shyakul verneigte sich demütig, bis seine Stirn den Boden berührte. Wie immer pulsierte er leicht wie der Körper eines lebenden Wesens. Ein Schauer rann ihm den Rücken hinab, wenn er daran dachte, daß das gewaltige Bauwerk in einer Nacht von Dämonen errichtet worden war, die die schwarzen Quader aus der Zwiewelt mitgebracht hatten. Doch er beherrschte seine Gefühle und fing zu berichten an.
Ich träumte, ich stünde vor einem gläsernen Turm, dessen Wände so geschliffen waren, daß sich das Licht jede Fingerbreite in einem anderen Farbton brach. Der Turm war sehr hoch und hatte eine steile Treppe, die ich zu ersteigen hatte. Am Anfang war es sehr einfach, doch dann wurde sie immer steiler, der Abstand zwischen den Stufen immer größer, aber ich schaffte es. Als ich auf der Spitze stand, konnte ich weit über die Welt hinweg blicken. Plötzlich erhob sich am Horizont eine rote Welle. Ich drehte mich nach allen Seiten, überall war die rote Welle, und sie kam auf den Turm zu. Ich wußte, daß es mir nicht gelingen würde hinunterzueilen, bevor sie mich erreichte und sah mich nach einer anderen Rettungsmöglichkeit um. Über mir kreiste ein goldener Greif mit einem silbernen Wolf auf den Rücken. Er stieß herab, als wolle er mir seine Fänge zum rettenden Griff darbieten. Doch als ich ihn packen wollte, flog er wieder nach oben. Um mich zu verhöhnen, wiederholte er das Spiel mehrmals, und der Wolf lachte dabei. Es war ein grausames Spiel, das erst endete, als die rote Welle den Turm erreichte. Die Wogen donnerten gegen das Glas, und ich spürte, wie er erzitterte. Immer wieder rannten die Wellen gegen den Turm an, bis die ersten Risse seine glatten Wände zerfurchten, Splitter herausbrachen... und er zusammenstürzte, mich in die Finsternis reißend.
Als Shyakul die Erzählung beendet hatte, ging sein Atem stoßweise. Dicke Schweißperlen glänzten auf seiner hohen Stirn. Erneut verneigte er sich, dann harrte er mit gesenktem Blick der Deutung. Es dauerte nicht lange, bis Turag durch Skadis Mund zu ihm sprach.
Diesen Traum sandte dir Kalmos, der Gott, der die Geschicke dichtet. Er sagt dir, daß du ein mächtiger und grausamer Mann bist, der einen steilen Weg geht, um an die Spitze der Macht zu gelangen, doch dort angelangt, bist du ganz allein und wirst sie verlieren, wenn du dich nicht wandelst. Diejenigen, deren Angst und Pein du genossen hast, werden es sein, die dir Schmerzen und Furcht bereiten, die dich verhöhnen und verspotten. Nur das Greif könnte dir helfen, aber er wird auf des Wolfens Rat hören und es nicht tun, und dann wird Turag dir in ihr Reich holen.
Shyakul wartete, doch Skadi schwieg.
Deine Worte sind neue Fragen für mich.
Er war nicht ganz sicher, ob Skadi zögerte. Mit keiner Geste verriet sie ihre Empfindungen, und ihr Gesicht verbarg die Wolfsmaske.
Du weißt, daß die Zeit des großen Krieges nicht mehr fern ist. Rüste dich und dein Volk, um der Gefahr entgegentreten zu können. Wähle die 10 mutigsten und stärksten Männer aus und stelle sie unter meinen Befehl. Die allmächtige Herrin sendet mich nach Pardos, damit ich dir den Schlüssel zum Sieg in die Hände legen kann. Schon in drei Tagen werden wir aufbrechen.
Gehorsam nickte Shyakul.
Ich werde die Befehle der Herrin ausführen. Doch sage mir noch, erhabene Skadi, wer sind der Wolf und der Greif? Was ist die rote Woge?
Die Woge ist das Volk, das sich gegen dich erheben wird wann es deine Grausamkeiten nicht mehr erdulden kann. Der Wolf und der Greif werden deine Henker sein.
Der König zuckte zusammen, Skadi weissagte seinen Tod. Wer war der Greif und wer der Wolf? Die Maske! durchfuhr es ihn. War die Hohepriesterin selbst der Wolf und verschwieg ihm deshalb die Identität der beiden Personen? Oder wollte Kalmos wirklich nicht mehr verraten? Shyakul beschloß, Skadi nicht unbeobachtet zu lassen.
Als Kyrdos Gruppe nach zwei mühsamen Tagen durch öde Steppen die Berge erreichte, umfaßte sie nur noch fünfundzwanzig Krenat. Einige waren entkräftet zusammengebrochen und mußten getragen werden. Es dauerte nicht lange, und sie starben an den Strapazen. Drei Männer und eine Frau hatten sich entschloßen, ihren Weg auf eigene Faust zu suchen und waren seitdem nicht mehr gesehen worden. Acht Späher kehrten von ihren Erkundungen nicht wieder.
In der Nähe seines Heimatdorfes hatte Kyrdo früher auf der Jagd oft mehrere Wochen in den Bergen verbracht, so daß er wußte, wie man sich in dieser Umgebung zu verhalten hatte. Er führte seine Begleiter keinen einfach erscheinenden Pfad entlang, weil diese meist abrupt an einem Abhang oder einer unüberwindlichen Felsbarriere enden.
Ein Flußlauf erschien ihm weit günstiger, da man den Berg an seiner niedrigsten Stelle überquerte und es Fische, Pflanzen und Tiere, die zur Tränke kommen, gab.
Es war am Morgen des siebten Tages, als zwei von Kyrdo ausgeschickte Späher, die den Weg erkunden sollten, aufgeregt zurückkehrten.
Wir haben es! Wir haben es!
, jubelte Tilkan.
Ein riesiges Tal mit allem, was wir brauchen
, ergänzte seine Begleiterin Andra. Es gibt Höhlen, wo wir wohnen können, Beerensträucher, Obstbäume und sogar einen See mit vielen Fischen!
Kyrdo mischte sich ein, als die Späher von den anderen mit Fragen bestürmt wurden, um ihren Optimismus zu dämpfen. Aus Erfahrung wußte er gut, daß nicht alles so ein mußte, wie es auf den ersten Blick hin erschient.
Ruhe, Ruhe bitte!
rief er. Wo ist denn dieses Traumtal?
Nicht mehr als eine Stunde von hier. Der Fluß kommt aus einer Senke, die sich recht einfach umgehen läßt. Und dann, auf einmal, sieht man ins Tal hinein.
Wenn der Weg so einfach für uns ist, ist er auch einfach für unsere Feinde und wilde Tiere. Und was ist mit den Höhlen? Sind sie trocken und warm? Kann man Feuer in ihnen machen? Was für Tiere leben im Tal? Reicht die Nahrung ein ganzes Jahr lang für alle? Wie wird es im Winter aussehen?
Die beiden Späher konnten darauf natürlich keine Antworten geben. So gründlich hatten sie das Tal in ihrer Begeisterung nicht erforscht. Sie standen, ein wenig beschämt über ihren Eifer, vor ihm und schwiegen.
Kommt, sehen wir uns dieses Tal an
, munterte Kyrdo sie wieder auf und führte seine Gruppe auf den Weg, den die Späher wiesen. Laßt uns hoffen, daß Sorghum uns wohl gesonnen ist.
Und keiner von ihnen merkte, daß kleine, mißtrauische Augen sie beobachteten.
Als sie nach einem kurzen Marsch das Tal erreichten, konnte Kyrdo sofort die Erregung der Späher verstehen. Nach mehreren Tagen der Wanderung durch die recht kargen Steppen und Berge lag auf einmal eine hübsche grüne Wiese mit vielen bunten Blumen vor ihnen. Es sah wirklich aus wie im Paradies.
Aber schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, daß es doch kein so paradisisches Tal war. Das Gras war hart und scharf. Wenn man nicht aufpaßte, schnitt es in kurzer Zeit blutige Wunden in die Beine. Trotzdem verlor keiner den Mut, und als die den kleinen See erreichten, gab es eine große Überraschung: Im Wasser wimmelte es tatsächlich von Fischen, zahlreiche Vögel tummelten sich in der Nähe des Ufers und viele Tiere kamen zur Tränke.
Bis zum Abend hatte sich die Gruppe in kleinen Höhlen verteilt, in denen sie versuchten, es sich mit der wenigen geretteten Habe und den spärtlichen Dingen, die ihnen die Natur bot, einzurichten. Sie begannen, aus Holz einfache Tische und Stühle zu bauen, aus Blättern, Gras und Pflanzenfasern Schlafmatten zu knüpfen und aus Steinen und Baumstämmen eine Befestigung, die sie gegen Feinde schützen sollte, zu errichten. Sie legten von den eßbaren Früchten und Wurzeln Wintervorräte an, trockneten das Gleisch der Tiere und Fische, brauten aus den Kräutern Heiltränke und mixten Salben. Allmählich kehrte der gewohnte Alltag wieder ein und sie begannen, sich heimisch zu fühlen. Kaum einer dachte noch an die Gefahren außerhalb des Tales und an die Freunde, die man verlassen hatte. Eine seltsame Art von Ruhe senkte sich über die Menschen.
Kurz nachdem seine Gruppe sich von den anderen getrennt hatte, ließ Jansur sie rasten.
Ihr alle wißt, daß wir einem gefährlichen Weg gehen
, begann er. Aus der Wüste ist noch niemand zurückgekehrt bis vielleicht auf ein paar Verrückte. Deshalb haben wir keine Vorstellung von dem, was uns erwartet. Wir wissen noch nicht einmal, wohin wir uns zu wenden haben. Möglicherweise verirren wir uns auf dem Weg in die Göttersenke. Nur eines ist gewiß: Wenn, dann werden nur die stärksten unter uns diesen Marsch überleben.
Außerdem werden wir nicht umkehren können, wenn es gefährlich wird. Es wird für uns nur zwei Möglichkeiten geben: Weiterziehen oder sterben.
Ich wiederhole das alles, damit ihr ganz genau versteht, worauf ihr euch einlaßt. Jetzt ist es noch möglich, daß ihr euch anders entscheidet und zu einer der beiden anderen Gruppen stoßt. Keiner wird es euch übelnehmen. Wenn ihr euch aber entscheidet, in die Wüste zu ziehen, verlange ich, daß ihr mir zweierlei versprecht: Erstens, absoluten Gehorsam! Gute Vorschläge höre ich gerne, aber wenn ich einen Befehl gebe, muß ich mich darauf verlassen können, daß er ausgeführt wird. Zweitens will ich keine Klagen hören. Wir werden, was auch auf uns zukommen mag, mannhaft ertragen.
Während diesen letzten Worte sah er die wenigen Frauen an. Einen Augenblick glaubte Fleet, er wollte noch etwas hinzufügen, aber dann sagte Jansur nur:
Von hier aus werden wir nach Südwesten ziehen. Da wir wegen der Hitze hauptsächlich nachts wandern und tagsüber schlafen, werden wir uns an Hand der Sterne orientieren müssen, wenn wir die Wüste erreicht haben. Droow, du behauptest immer, die Sterne sehr gut zu kennen. Du kommst mit mir an die Spitze. Nidap, Stlaper und Oddak bilden den Abschluß: Ihr seit verantwortlich, daß keiner sich verirrt oder zurückbleibt. Noch Fragen?
Es gab keine, und sie zogen weiter. Schon bald bemerkten sie, daß die Vegetation spärlicher wurde. Der Boden war trocken und nur noch anspruchslose Gräser und wenige dürre Dornensträucher wuchsen hier.
In dem übersichtlichen Gelände sahen sie die Reiter schon früh kommen. An ihrer Kleidung und Bewaffnung war zu erkennen, daß es Räuber waren, die die wenigen Wanderer, die es hier gab, auszurauben versuchten.
Die Zahl der Räuber war geringer als die der Flüchtlinge, aber sie waren viel besser bewaffnet und durch die Pferde zusätzlich im Vorteil. Jansur befahl den bewaffneten Männern, einen Verteidigungsring zu bilden, hinter denen sich die übrigen Männer in einem zweiten Kreis aufstellen sollten, um die Reiter, die durchbrachen, irgendwie aufzuhalten. Die wenigen Frauen standen in der Mitte.
Fleet hatte ihre Waffe griffbereit, hielt sich wegen ihrer geringen Erfahrung im Umgang mit dem Schwert und aus Furcht vor den Angreifern zurück. Als es einigen Räubern gelang, beide Verteidigungsringe zu durchbrechen, war ihre Angst auf einmal verschwunden, und sie rannte ihnen entgegen. Dem ersten schlug sie in vollem Lauf die Waffe aus der Hand, und mit einem mächtigen Schwung traf sie gleich darauf den zweiten Reiter in der Taille.
Ehe sie wußte, was geschah, war sie mit vier Räubern in einen harten Kampf verwickelt. Keinen Augenblick kam ihr der Gedanke, der Übermacht zu weichen. Sie konnte kaum etwas sehen, so schnell ging alles, wie im Traum schlug sie immer zielsicher zu. Schon nach kurzer Zeit lagen zwei der Angreifer schwer verletzt auf dem Boden, und die beiden Verbliebenen versuchten zu fliehen. Fleet fing eines der reiterlosen Pferde, sprang in den Sattel und stellte den dritten Räuber. Als der letzte erkannte, daß er keine Chance mehr hatte, spornte er sein Pferd zur Flucht an, gefolgt von den anderen Überlebenden seiner Bande.
Der Kampf war beendet, und alle atmeten erleichtert auf. Es war keiner von ihnen getötet worden, aber einige hatten schwere Verletzungen erlitten, und wurden von den anderen verbunden. Jansur kam auf Fleet zu, die die erbeutete Pferde eingefangen hatte.
Bei Naida, wer hat dir denn erlaubt, dich in den Kampf einzumischen?
, fuhr er sie an. Ich habe doch deutlich gesagt, daß ich absoluten Gehorsam verlange!
Jetzt verstand Fleet gar nichts mehr. Sie hatte ein Lob über ihre Fähigkeiten erwartet, oder doch wenigstens Worte des Dankes.
Du hast wohl einen Schlag zuviel auf den Kopf bekommen, was?
fauchte sie zurück. Ich darf mich doch wohl noch verteidigen, oder soll ich mich und die anderen Frauen vergewaltigen und töten lassen, wenn ihr nicht in der Lage seid, die Räuber aufzuhalten?
Allmählich verstand Jansur, daß er zu weit gegangen war. Ist ja gut
, nahm er sich zusammen. Du hast ausgezeichnet gekämpft, aber das nächste Mal solltest du meinen Befehl nicht ignorieren.
Nachdem die verstreuten Waffen der Räuber eingesammelt, verteilt und den Verwundeten auf die Pferde geholfen waren, zogen sie weiter, unaufhaltsam der Tote Zone entgegen.
Es war ein nebliger Morgen, den Skadi zum Aufbruch bestimmt hatte. Die Sonne, Sorghums Auge, leuchtete als oranger Ball zwischen den, vom Fluß Brag in der Niederung aufziehenden, Schwaden so schwach hervor, daß man sie mit bloßem Auge ohne Schmerzen betrachten konnte.
Die zehn Männer aus Shyakuls Leibgarde in ihren schweren Rüstungen fröstelten nicht nur wegen der Kälte. Sie wußten, daß, wer mit der ewigen Priesterin ritt, selten zurückkehrte. Auf ihren großen Pferden sitzend, warteten sie im hinteren Hof des Palastes, den nur die engsten Vertrauten und, auf ihre Loyalität geprüfte, Männer und Frauen betreten durften.
Shyakul hatte, nachdem er in den Palast eingezogen war, da er ständige Attentate fürchtete, geschickte Baumeister versammelt, die ihm ein geheimes Labyrinth an Fluchtwegen erschufen, die doppelte Wände durchzogen und sich unter der Erde erstreckten. Die Stadt wurde ringförmig erweitert. Das Zentrum bildete das Palastgebäude, das Shyakuls Räume und die seiner Getreuen, die Schatzkammer, ein Lebensmittellager, einen separaten Brunnen und Stallungen umfaßte. Darum zog sich der innere Hof, durch eine Mauer von den Kasernen und Häuser der Adligen und Reichen getrennt. Es folgte wieder ein Hof, auf dessen andere Seite die Häuser der Handwerker lagen. Außerhalb der Stadtmauer lebten die Bauern bei ihren Feldern, und die Gesetzlosen, an denen begangene Verbrechen nicht geahndet wurden. Zu ihnen gehörten die Diebes- und Mördergilden, unheilbar Kranke und Prostituierte, sowie Fremde von niederem Rang, die keine Freunde oder Angehörige in der Stadt besaßen, und die Sklaven.
Es gab je 4 Tore in den Mauern, die in alle 4 Himmelsrichtungen wiesen und schwer bewacht wurden. Der Tempel Turags lag auf einem einsamen Berg im Westen, ein abgegrenztes Reich für sich, das niemand grundlos zu betreten wagte. Die Bevölkerung munkelte, daß die Baumeister, um das Geheimnis des Labyrinthes Willen, auf dem Altar unter Skadis Dolch hatten sterben müssen.
Lautlos war die Hohepriesterin, von schlanken Nebelfingern zärtlich umkost, plötzlich im Hof erschienen. Unwillkürlich schauderten die Männer, und ihre Tiere zitterten. Niemand hatte sie kommen hören, denn ihr graues Pferd schien mit seinen silbern glänzenden Hufen über den Boden zu schweben. Skadi ritt ohne Sattel, Proviant und Waffen. Sie trug nur ihr rotes Gewand mit dem silbernen Gürtel, an dem ihr ritueller Dolch hing, einen schwarzen Kapuzenumhang, weiche Sandalen und ihre Wolfsmaske. Sie schien ohne die für einen Menschen lebensnotwendigen Dinge auskommen zu können.
Skadi hob den Kopf und blickte zur grünen Terrasse empor. Soeben war Shyakul an die Brüstung getreten, um sie zu verabschieden.
Möge deine Reise erfolgreich verlaufen, Hohepriesterin
, sagte er.
Skadi hob zum Gruß die Rechte und wendete lautlos ihr Pferd zum Südtor. Die zehn Männer folgten ihr vorbei an den ängstlichen Gesichtern der Einwohner, an der Spitze Lardo, ihr Anführer, der von Shyakul die Aufgabe erhalten hatte, Skadi zu beobachten und in regelmäßigen Abständen Nachrichten zu hinterlassen, die Boten, die vorsichtig folgten, mittels Brieftauben nach Kenzai senden würden. Der König blickte der kleinen Truppe solange nach, bis er sie nicht mehr sehen konnte.
Die Reise der Vanera verlief ereignislos. Die Männer vermuteten, daß Skadis unheimlicher Zauber alle Wegelagerer und Monster fernhielt. Nahrung fanden sie dagegen reichlich, so daß sie nicht gezwungen waren, ihre Vorräte anzutasten.
Lardo konnte Shyakul nur seine Beobachtungen und Befürchtungen mitteilen. Ihm fiel auf, daß Skadi keinen Bissen Nahrung und keinen Schluck Wasser zu sich nahm. Keine Witterung machte ihr etwas aus. Sie und ihr geheimnisvolles Pferd waren unermüdlich und selbst aus dem Schlaf erwachte sie leicht. War die Priesterin, deren Alter keiner kannte, deren Gesicht niemand sehen durfte, überhaupt ein Mensch?
Ihre Anweisungen waren knapp und präzise. Die Männer befolgten sie nur ohne Murren und Dessertation, weil sie sehr gut ausgebildet worden und dem König treu ergeben waren. Sie beugten sich Skadis Anordnungen auf seinen Befehl.
Lardo dachte an den Weg, der vor ihnen lag. Es war eine weite Reise bis Pardos, das im tiefen Süden lag. Vor ihnen befanden sich nach dem Nebelwald eine hohe Gebirgskette, die Tronen genannt. Wenn sie die Tronen überwunden hatten, würden sie die Fiebersümpfe durchqueren müssen, sowie das Nebelwald, das dahinter lag. Und wie Lardo aus die Erzählungen wußte, lag die Tote Zone, die Pardos einschloß und aus der noch nie jemand zurückgekehrt war, auch noch innerhalb einer fürchterlichen Wüste.
Drei Tage lang hatte Blenji seine Gruppe tiefer in den Westen geführt. Sie waren durch ein fruchtbares, aber fast leeres, Land gewandert, immer weiter in die Richtung, wo das Reich der Vanera lag. Jetzt, am Nachmittag des dritten Tages, konnten sie endlich die Etug erkennen. Die Etug ist ein mächtiger Fluß, der die Grenze zwischen dem Gebiet der Vanera und dem der Krenat bildet. Dieser Fluß entspringt im Nördergebirge und mundet im Süden deltaförmig in die Fiebersümpfe.
Blenji ließ die Gruppe anhalten.
Ich brauche vier Freiwillige, die den Fluß auskundschaften. Sie sollen sofort aufbrechen und solange dem Flußlauf folgen, bis sie entweder eine Furt gefunden haben oder die Nacht hereinbricht. Es ist ein gefährliches Unternehmen, da ihr auf Vanera und Raubtiere treffen könnt. Uns ist es nur möglich euch zu unterstützen, indem wir ein großes Feuer entfachen, damit ihr das Lager wiederfindet. Wer meldet sich?
Fast sofort traten sieben jungen Männer hervor. Blenji wählte vier von ihnen aus, von denen zwei dem Fluß nach Norden, die beiden anderen dem Fluß nach Süden folgen sollten.
Sobald die vier aufgebrochen waren, wurde mit der Errichtung des Lagers begonnen. Die, während des Tages gesammtelte, Nahrung wurde verteilt, und zwei kräftigen Männer gelang es noch, ein Tier zu töten. Die Mahlzeit war reichlich und schon bald schliefen die meisten Flüchtlinge erschöpft ein.
Als die ersten Kundschafter später zurückkehrten, berichteten sie, daß sie etwa eine Stunde weiter nördlich eine überquerbare Stelle im Fluß gefunden hatten. Blenji hörte sich in aller Ruhe den Bericht an und befahl ihnen, sich nach dem Essen sofort hinzulegen. Selbst wartete er noch auf die zweite Gruppe, die aber im Süden nichts hatte entdecken können.
Am nächsten Tag standen sie im Morgengrauen auf und nahmen die Reste des Abendessens als Frühstück zu sich. Danach zog die ganze Gruppe weiter nach Norden.
Tatsächlich erreichten sie nach etwa zwei Stunden eine seichte Stelle im Fluß. Es dauerte fast eine weitere Stunde, bis alle auf der anderen Seite waren.
Was sucht ihr denn hier?
, erklang auf einmal eine tiefe Stimme. Gleichzeitig traten zwei dutzend Krieger aus ihren Verstecken hervor. Die Krenat erkannten sofort, daß sie, mit dem Fluß im Rücken, keine Fluchtmöglichkeit hatten.
Wir sind Flüchtlinge aus dem Land der Krenat
, sagte Blenji, während er hervor trat. Wir wurden von den schrecklichen Kristallkriegern aus unserer Heimat vertrieben und bitten euch, uns aufzunehmen.
Grollendes Gelächter erklang, und der Anführer sagte: Also, wir sollen euch aufnehmen? Aber das tun wir doch gerne. Wir sind ja längst nicht so schrecklich, wie ihr Krenat glaubt. Ihr werdet bei uns in Do willkommen sein - als Sklaven!
Während er noch sprach, umstellten seine Männer, deren drohende Waffen eine deutliche Sprache redeten, die Flüchtlinge. Als einige Krenat nach ihren Schwerten griffen, wurden sie sofort niedergeschlagen und entwaffnet. Man fesselte ihnen die Hände auf den Rücken und trieb sie vorwärts.
Blenji ging mit gesenktem Kopf neben einem großen Krieger her, der ihn scharf beobachtete.
Aber - woher wußtet ihr, daß wir kommen würden?
, fragte Blenji nach einiger Zeit.
Na, woher wohl?
, war die ironische Entgegnung. Ihr wart ja so freundlich, eure Ankunft mit einem großen Feuer, das wohl bis Kenzai zu sehen war, anzukündigen. Wir brauchten nur hier, an der einzigen durchwatbaren Stelle im Oberlauf der Etug, auf euch zu warten.
Schon den ganzen vorherigen Tag waren die Hügel in der Ferne zu erkennen gewesen, und jetzt hatte man sie endlich erreicht. Es war wie ein Meilenstein, denn hinter den Hügeln der Magier begann, laut Jansur, die Hungerwüste.
Fleet ging neben Jansur am Kopf der kleinen Gruppe. Sie hatten sich entschlossen, die Hügel in gerader Linie zu durchqueren, dabei aber besonders vorsichtig zu sein, da es zahlreiche Gerüchte über die Hügel der Magier gab, die alle erzählten, daß sich gerne irgendwelche zauberkräftigen Wesen hier herum trieben.
Auf einmal ertönte ein gellender Schrei vom hinteren Teil der Gruppe. Als sie sich umdrehten und zurückeilten, sahen sie, wie sich die anderen um ein Loch im Boden scharten, das offenbar gerade entstanden war.
Was ist los?
, fragte Jansur barsch.
Nikul
, flüsterte Isana, eine der wenigen Frauen der Flüchtlingsgruppe. Er ging vor mir, und auf einmal öfnete sich der Boden, und er fiel hinein.
Fleet beugte sich vorsichtig über das Loch. Aber auch als ihre Augen sich langsam an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte sie nichts erkennen.
Nikul!
, rief sie. Nikul! Kannst du mich hören?
Fleet erhielt keine Antwort und konnte auch kein Geräusch wahrnehmen, dennoch hatte sie das Gefühl, daß Nikul nicht tot war. Sie überlegte, was sie tun sollten. Sie hatten keine Seile, aber die Wand des geheimnisvollen Loches sah so aus, als könnte man daran entlang nach unten klettern.
Ich steige hinunter
, verkündete sie. Jemand muß herausfinden, was mit Nikul passiert ist!
Jansur ergriff ihren Arm und hielt sie zurück.
Was soll das?
, fragte er. Willst du dir auch das Genick brechen?
Mit einer heftigen Bewegung schüttelte Fleet seine Hand ab.
Aber wir müssen doch nachsehen, was mit Nikul ist? Vielleicht lebt er noch und braucht Hilfe.
Nikul ist tot, finde dich damit ab
, antwortete Jansur. Das Loch muß über zehn Manneslängen tief sein, und einen solchen Sturz kann kein Mensch überleben. Also komm mit!
Ich werde nicht gehen, bis ich sicher bin, daß Nikul tatsächlich tot ist
, protestierte Fleet. Vielleicht ist das mal ein Brunnen oder der Rauchfang einer unterirdisch Wohnung gewesen. Dann kann Nikuls Fall von etwas gebremst worden sein. Jedenfalls glaube ich, daß er noch lebt und unsere Hilfe benötigt.
Du kommst mit
, sagte Jansur und ergriff Fleets Arm wieder, und wenn ich dich den ganzen Weg hinter mir herschleifen muß!
Der Kraft Jansurs konnte sie sich nicht widersetzen, und sie wußte, daß es keinen Zweck hatte, mit ihm zu argumentieren. Aber sobald er sie nicht mehr festhielt, ließ sie sich unauffällig zurückfallen, so daß sie schon bald wieder am Loch war.
Es war so finster wie das Auge eines Dämonen und genauso unergründlich tief, aber Fleet war fest entschlossen, alles zu versuchen, um Nikul zu retten. Vorsichtig ließ sie sich hinabgleiten, bis sie glaubte, einen festen Halt für ihre tastenden Füße gefunden zu haben. Aber als sie den Griff ihrer Finger lockerte, glitt ihr linker Fuß von dem kleinen Vorsprung, und sie stürzte in die Tiefe.
Sie hatte das Gefühl, bis in die Unterwelt der Göttin Turag zu fallen, so lange dauerte es, bis sie festen Boden unter den Füßen spürte. Den Aufprall hatte sie gar nicht bemerkt! Es herrschte jedoch immer noch völlige Finsternis, und sie fing vorsichtig an, ihre Umgebung abzutasten.
Plötzlich wurde es licht, und Fleet mußte mehrmals blinzeln, ehe ihre Augen sich daran gewöhnten. Dann erkannte sie, daß sie sich in einem großen Gewölbe befand, in das zahlreiche Gänge mündeten. Ohne lange zu überlegen, wählte sie einen dieser Gänge und folgte ihm.
Die Strahlenfinger der aufgehenden Sonne bemalten die Hauben ewigen Schnees des, in Sichtweite gekommenen, Tronengebirges blutigrot. Nur wenige Abenteurer oder Ausgestoßene wagten sich in dieses Gebiet und noch weniger kehrten zurück. Immer waren die Überlebenden verkrüppelt, fieberten an einer unheilbaren Krankheit oder waren verrückt. Sofern sie noch in der Lage waren zu sprechen, berichteten sie von unglaublichen Schrecknissen. Gerne wären die Soldaten den weiteren, weniger gefährlichen Weg über die Furt bei Do gegangen oder hätten sich den Schiffen der Meeresbewohner anvertraut, doch hätten sie auch dadurch viel Zeit verloren, da das Meer südlich der Hungerwüste voller Strudel war und deshalb Strudelmeer genannt wurde. Jegliche Schiffahrt war dort unmöglich, so daß man die Halbinsel im weiten Bogen umfahren mußte. So ritten sie durch baum- und strauchloses Flachland, in dem saftiges, grünes Gras wuchs. Manchmal sahen die Soldaten wilde Pferde, die in kleinen Herden durch die Ebene streiften, weiden. Als die Sonne ihren Höchststand erreichte, gelangten sie in den Dunkelwald, der sich bis zum Gebirge erstreckte. Seinen Namen verdankte er den hohen Bäumen, die so dicht wuchsen, daß kein Lichtstrahl je den Boden erreichte. Es gab einige kleine Siedlungen an gerodeten Stellen, wo Menschen lebten, die die Wildpferde fingen und verkauften. Um ihre Familien vor den Gefahren des Tronengebirges und den Räubern zu schützen, hielten sie ihre Pfade geheim, so daß ihre Häuser nur durch Zufall von Fremden entdeckt werden konnten.
Sie hatten kaum den Wald betreten, als ein grünliches Zwielicht sie einhüllte. Man konnte kaum weiter als drei Bäume sehen. Da trat plötzlich eine hellgrün gekleidete Gestalt hinter einem Baum hervor und versperrte ihnen den Weg.
Halt!